Klassische Städtebauspiele lassen uns meist aus sicherer Entfernung über unsere Metropole wachen. Wir ziehen Straßen, platzieren Gebäude, planen Produktionsketten und beobachten anschließend aus der Vogelperspektive, wie sich unsere kleine Siedlung langsam in eine florierende Stadt verwandelt. Prospera möchte dieses bekannte Prinzip aufbrechen. Statt über unserer Stadt zu schweben, befinden wir uns mitten in ihr.
Im Rahmen der Gamescom 2026 hatten wir bei Toplitz Productions die Gelegenheit, uns das frisch angekündigte Projekt genauer präsentieren zu lassen. Entwickelt wird Prospera vom deutschen Studio Active Fungus Studios und bereits die grundlegende Idee macht neugierig: Ein umfangreicher City-Builder trifft auf Open-World-Erkundung, Crafting, Automatisierung und eine direkte First- beziehungsweise Third-Person-Perspektive.
Damit möchte Prospera das Gefühl vermitteln, nicht nur der unsichtbare Planer einer Stadt zu sein, sondern tatsächlich selbst durch die Straßen zu laufen, die eigenen Fabriken zu betreten und unmittelbar mitzuerleben, wie aus bescheidenen Anfängen eine industrielle Metropole entsteht.
Vom einfachen Holzfäller zum Industriemagnaten
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Unsere Karriere in Prospera beginnt keineswegs an der Spitze eines mächtigen Industrieimperiums. Stattdessen starten wir ganz unten und müssen uns unseren Wohlstand zunächst mit den eigenen Händen erarbeiten.
Zu Beginn schlüpfen wir in die Rolle eines einfachen Holzfällers. Ressourcen müssen beschafft, erste Produktionsmöglichkeiten geschaffen und grundlegende Gebäude errichtet werden. Aus diesen bescheidenen Anfängen entwickelt sich mit der Zeit eine immer komplexere Siedlung.
Der besondere Kniff besteht dabei in der Perspektive. Während wir bei klassischen Genrevertretern Gebäude aus großer Entfernung auf einem Raster platzieren, können wir in Prospera direkt durch die Welt laufen. Häuser werden errichtet, Schienen verlegt und Produktionsanlagen aufgebaut, während wir uns selbst mitten in der entstehenden Stadt befinden.
Dadurch soll eine wesentlich stärkere Verbindung zwischen Spieler und Siedlung entstehen. Ein Gebäude ist nicht einfach nur ein weiteres Symbol auf einer Karte. Wir können davorstehen, die Dimensionen wahrnehmen und anschließend beobachten, wie die Bewohner dieses Gebäude tatsächlich in ihren Alltag integrieren.
Aus unserem einfachen Holzfäller soll so Schritt für Schritt ein mächtiger Industriemagnat werden, dessen kleine Siedlung sich immer weiter in Richtung einer florierenden Metropole entwickelt.
Eine fiktive Welt im Zeitalter der Industrialisierung
Als Schauplatz dient eine fiktive, stark von der viktorianischen Epoche und der industriellen Revolution inspirierte Welt.
Optisch bedeutet das unter anderem dampfende Fabriken, hohe Schornsteine, Kopfsteinpflaster, Eisenbahnen und immer größere Industrieanlagen. Genau diese Atmosphäre möchte Prospera nicht lediglich aus der Entfernung präsentieren. Wir sollen sie unmittelbar erleben.
Wer zwischen seinen Produktionsgebäuden entlangläuft, hört die Maschinen arbeiten und sieht die Auswirkungen der Industrialisierung direkt vor sich. Lokomotiven bewegen sich durch die Stadt, Arbeiter gehen ihrer Beschäftigung nach und die ehemals kleine Siedlung verändert sich mit jedem neuen Gebäude.
Besonders die Größenverhältnisse profitieren von der gewählten Perspektive. Eine große Fabrik wirkt aus der Ego-Perspektive vollkommen anders als aus einer weit entfernten isometrischen Ansicht.
Damit könnte Prospera ein Problem lösen, das viele klassische Städtebauspiele zwangsläufig haben: Je größer eine Stadt wird, desto abstrakter wird sie häufig. In Prospera soll dagegen selbst eine riesige Industriemetropole weiterhin ein Ort bleiben, den wir tatsächlich betreten und erkunden können.
Die Bewohner sollen tatsächlich in unserer Stadt leben
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Eine hübsche Stadt allein reicht für eine überzeugende Aufbausimulation allerdings nicht aus. Deshalb möchte Active Fungus Studios großen Wert auf die Bewohner legen.
Diese sollen nicht einfach nur als statistische Bevölkerungszahl existieren. Stattdessen verfolgen die NPCs eigene Tagesabläufe, gehen zur Arbeit und bewegen sich durch die von uns erschaffene Welt.
Während wir selbst durch die Straßen laufen, können wir beobachten, wie unsere Bürger ihren Tätigkeiten nachgehen. Gleichzeitig besitzen sie Bedürfnisse, die wir erfüllen müssen. Ihre Versorgung und Zufriedenheit haben direkten Einfluss darauf, wie stabil unsere Stadt bleibt und wie schnell sie weiter wachsen kann.
Damit soll eine direkte Verbindung zwischen Stadtplanung und Bevölkerung entstehen. Neue Produktionsanlagen bringen uns wirtschaftlich voran, doch eine erfolgreiche Stadt benötigt mehr als Fabriken und Waren.
Unsere Entscheidungen beeinflussen deshalb auch die Lebensqualität. Sauberkeit, Parks und Architektur können sich positiv auf die Entwicklung auswirken, während eine zunehmende Verschmutzung zum Problem werden kann.
Gerade im Szenario der industriellen Revolution erscheint dieser Konflikt besonders interessant: Wirtschaftliches Wachstum bringt Wohlstand und neue Möglichkeiten, gleichzeitig verändert die Industrialisierung jedoch das Umfeld unserer Bevölkerung.
Produktionsketten wachsen mit unserer Stadt
Ein weiterer zentraler Bestandteil von Prospera sind die Produktionsketten.
Zu Beginn fallen diese noch vergleichsweise überschaubar aus. Wir errichten erste Produktionsstätten und kümmern uns selbst um zahlreiche Arbeitsschritte. Mit zunehmendem Fortschritt werden die Abläufe allerdings umfangreicher.
Aus einer einzelnen kleinen Fabrik können komplexe Produktionszentren entstehen. Mehrere Anlagen lassen sich miteinander verbinden oder zu größeren Industriekomplexen ausbauen.
Damit verändert sich auch unsere eigene Rolle. Während wir anfangs noch selbst Hand anlegen, entwickelt sich das Spiel zunehmend zu einer umfangreichen Wirtschafts- und Managementsimulation.
Entscheidend wird dann nicht mehr sein, jeden einzelnen Gegenstand persönlich von einem Ort zum anderen zu bringen. Stattdessen müssen wir dafür sorgen, dass Waren möglichst effizient durch unsere Stadt transportiert und Produktionsketten optimal miteinander verbunden werden.
Automatisierung statt ewiger Handarbeit
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Genau hier kommt eines der wichtigsten Systeme von Prospera ins Spiel: die Automatisierung.
Der Weg vom Holzfäller zum Industriemagnaten soll sich auch spielmechanisch bemerkbar machen. Tätigkeiten, die wir zu Beginn noch persönlich erledigen, können später von automatisierten Systemen übernommen werden.
Wir beginnen mit einfachen Produktionsabläufen innerhalb einer einzelnen Fabrik. Mit wachsendem Wohlstand entstehen daraus immer komplexere Systeme, bis schließlich große industrielle Produktionszentren miteinander verknüpft sind.
Der Fortschritt besteht dadurch nicht ausschließlich aus größeren Zahlen oder neuen Gebäuden. Unsere Arbeitsweise verändert sich ebenfalls.
Anfangs stehen wir selbst mitten im Produktionsprozess. Später planen und optimieren wir zunehmend die Infrastruktur, die diese Arbeit automatisch erledigt.
Das könnte für eine angenehme Progression sorgen: Aufgaben, die in den ersten Spielstunden noch bewusst zum unmittelbaren Spielerlebnis gehören, müssen später nicht hunderte Male wiederholt werden.
Logistik wird zum Schlüssel für eine erfolgreiche Metropole
Je größer unsere Stadt wird, desto wichtiger wird die Frage, wie Ressourcen und Waren überhaupt ihr Ziel erreichen.
Prospera möchte deshalb ein umfangreiches Logistiksystem bieten. Auch dieses entwickelt sich gemeinsam mit unserer Siedlung weiter.
In den frühen Phasen können einfache Handkarren für den Transport ausreichen. Eine große Industriestadt benötigt dagegen wesentlich leistungsfähigere Lösungen. Spätestens hier kommt die Eisenbahn ins Spiel.
Wir können eigene Schienennetze errichten und damit Produktionsstätten, Lager sowie weitere Bereiche unserer Stadt miteinander verbinden.
Das Verlegen von Schienen ist dabei besonders interessant, weil wir die Infrastruktur nicht nur abstrakt auf einer Karte betrachten. Wir können direkt neben den Gleisen stehen und später beobachten, wie die Züge unsere Waren tatsächlich durch die Stadt transportieren.
Produktion und Logistik hängen dadurch unmittelbar zusammen. Eine perfekt ausgebaute Fabrik bringt wenig, wenn Rohstoffe nicht rechtzeitig eintreffen oder die fertigen Waren anschließend nicht effizient weitertransportiert werden können.
Je größer unser Industrieimperium wird, desto stärker dürfte daher die Optimierung dieser Transportwege in den Mittelpunkt rücken.
Die offene Welt endet nicht an der Stadtgrenze
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Prospera beschränkt sich nicht auf das eigentliche Stadtgebiet. Rund um unsere Siedlung wartet eine offene Welt darauf, erkundet zu werden.
Diese Erkundung erfüllt auch einen spielerischen Zweck. Neue Gebiete können Zugang zu zusätzlichen Ressourcen ermöglichen, die wir für die weitere Entwicklung unserer Industrie benötigen.
Mit zunehmender Expansion können Außenposten errichtet werden. Dadurch erweitert sich unser wirtschaftlicher Einfluss immer weiter über die ursprüngliche Siedlung hinaus.
Auch hier kommt erneut die Logistik ins Spiel. Neue Ressourcen irgendwo in der offenen Welt zu entdecken, ist schließlich nur der erste Schritt. Anschließend müssen wir dafür sorgen, dass sie effizient in unsere bestehenden Produktionsketten gelangen.
So könnten Erkundung, Expansion, Ressourcenmanagement und Infrastruktur eng miteinander verzahnt werden.
Eine Stadt zwischen Wohlstand und Umweltverschmutzung
Interessant ist außerdem, dass wirtschaftlicher Fortschritt offenbar nicht automatisch bedeutet, dass es unserer Stadt gut geht.
Die industrielle Revolution bringt Fabriken, Maschinen und Wohlstand, aber ebenso Umweltverschmutzung mit sich.
Prospera berücksichtigt deshalb verschiedene Faktoren, die Einfluss auf die Entwicklung unserer Stadt nehmen. Saubere Bereiche, Parks und ansprechende Architektur können die Attraktivität erhöhen. Zu starke Verschmutzung wirkt sich dagegen negativ aus.
Dadurch entsteht möglicherweise ein interessanter Zielkonflikt. Die effizienteste industrielle Lösung muss nicht zwangsläufig die beste Lösung für unsere Bevölkerung sein.
Wie tief dieses System letztendlich ausfallen wird, bleibt abzuwarten. Thematisch passt es jedoch hervorragend zur gewählten Epoche und könnte dafür sorgen, dass wir unsere Metropole nicht ausschließlich nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten planen.
First- und Third-Person statt klassischer Vogelperspektive
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Das auffälligste Merkmal bleibt jedoch die Perspektive.
Prospera lässt sich sowohl aus der First-Person- als auch aus der Third-Person-Perspektive erleben. Damit unterscheidet sich das Spiel deutlich von klassischen City-Buildern.
Gerade während der Präsentation wurde deutlich, welches Potenzial in diesem Ansatz steckt. Die eigene Stadt ist nicht nur ein großes Bauprojekt, das wir von außen betrachten. Sie wird zu einem begehbaren Ort.
Wir können zwischen unseren Gebäuden entlanglaufen, Produktionsanlagen aus nächster Nähe betrachten und den Bewohnern bei ihrem Alltag zusehen.
Das verändert auch die Wahrnehmung des Fortschritts. Wenn dort, wo anfangs lediglich einige einfache Gebäude standen, irgendwann Fabriken, Schienennetze und ganze Wohnviertel entstanden sind, erleben wir diesen Wandel aus derselben Perspektive wie unsere Einwohner.
Genau darin könnte die größte Stärke von Prospera liegen.
Unser Eindruck von der Gamescom 2026
Die Präsentation von Prospera bei Toplitz Productions gehörte für uns zu den interessanteren Überraschungen der Gamescom 2026. Das Spiel wurde erst unmittelbar zur Messe offiziell vorgestellt und versucht, mehrere bekannte Konzepte auf ungewöhnliche Weise miteinander zu verbinden.
Auf dem Papier treffen hier klassische Städtebau- und Wirtschaftssimulationen auf Elemente, die man eher aus Spielen wie Medieval Dynasty oder Automatisierungstiteln kennt. Der entscheidende Unterschied ist jedoch, dass wir all diese Systeme nicht aus der üblichen Vogelperspektive erleben.
Stattdessen stehen wir selbst zwischen den Gebäuden unserer Stadt.
Gerade der geplante Fortschritt vom einfachen Holzfäller bis zum mächtigen Industriemagnaten klingt vielversprechend. Wir beginnen mit manueller Arbeit, errichten erste Produktionsstätten und entwickeln daraus nach und nach automatisierte Fabriken, komplexe Warenketten und umfangreiche Eisenbahnnetze.
Gleichzeitig soll die Stadt nicht nur aus Produktionswerten und Statistiken bestehen. Bewohner mit eigenen Tagesabläufen und Bedürfnissen, die Auswirkungen von Umweltverschmutzung sowie Faktoren wie Parks, Sauberkeit und Architektur könnten dafür sorgen, dass sich unsere Entscheidungen sichtbar auf die Welt auswirken.
Natürlich muss sich noch zeigen, wie gut die zahlreichen Systeme letztendlich ineinandergreifen. Besonders bei einem derart ambitionierten Konzept wird entscheidend sein, dass die direkte Perspektive auch nach vielen Stunden komfortabel bleibt und das Management einer großen Metropole nicht unnötig umständlich macht.
Das Grundkonzept hat nach der Gamescom-Präsentation jedoch definitiv unsere Aufmerksamkeit.
Prospera möchte nicht einfach ein weiterer klassischer City-Builder sein. Statt eine Stadt nur zu planen, sollen wir ein Teil von ihr werden und ihre Entwicklung unmittelbar miterleben. Wenn Active Fungus Studios die Mischung aus Städtebau, Wirtschaft, Automatisierung, Logistik und begehbarer Open World überzeugend zusammenführt, könnte daraus eine der ungewöhnlicheren Aufbausimulationen des kommenden Jahres entstehen.
Bis wir selbst vom Holzfäller zum Industriemagnaten aufsteigen können, müssen wir uns allerdings noch etwas gedulden. Prospera soll im zweiten Quartal 2027 für PC erscheinen.


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